Der Blaue Adel erweist sich die Ehre

Am 08. Oktober 1899 bestreiten die jungen Cickers ihr erstes Fußballspiel gegen den Stuttgarter Fußballklub und sie gewinnen gleich deutlich mit 11:0. Am 08. Juli 1900 treten die jungen Cickers als erster Stuttgarter Verein dem Süddeutschen Fußballverband bei und besiegen in ihrem Einstandsspiel auf dem damaligen Domizil Stöckachplatz den 1. FC Pforzheim mit 4:2.

Die Anfangsjahre des jungen Vereins waren von der Spielplatzsuche geprägt. Weder der Cannstatter Exerzierplatz noch der Volksfestplatz kamen in Frage, in Degerloch waren alteingesessene Vereine dicht besetzt. Also blieb die Wahl zwischen der Feuerbacher Heide und dem Stöckachspielplatz. Dieser wurde schließlich für Sonntag morgen zwischen 10 und 12 Uhr gepachtet. Wettspiele konnten dort allerdings nicht ausgetragen werden, diese durften bis zu vier Sonntage im Jahr auf dem großen Platz gegenüber stattfinden. Bereits ein Jahr nach Vereinsgründung entzog die Stadt den Kickers den Sportplatz, weil sie trotz Platzsperrung nach schlechtem Wetter das Verbandsspiel gegen den Karlsruher FV (0:9) austrugen. Erst der damalige Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn, Dr. Göbel, machte der Heimatlosigkeit ein Ende und die Kickers konnten auf den Stöckachplatz zurückkehren. In der Zwischenzeit gastierten die Kickers ein Jahr lang beim Kronenclub Cannstatt, auf dem Weissenhof und in Ostheim. Erst 1903 war die Suche nach einer Heimat erfolgreich. Die Stadt teilte den Kickers mit, dass zum 01.11.1903 die auf dem Exerzierplatz in Degerloch auf der linken Seite befindlichen Äcker, Gärten etc. neu in Pacht gegeben werde. Die Kickers schlugen zu und wandelten die Äcker in einen Fußballplatz um.

Schon sehr früh wird im Verein klar, dass der Jugend der Zukunft gehört. Daher wird bereits im Jahre 1900 durch Hans Trapp und Julius Megner eine Jugendabteilung gegründet, die Keimzelle des Vereins bis heute.


Die erste Tribüne aus dem Jahr 1910

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 sind sie ohne Unterbrechung Württembergischer Meister, teilweise auch weil einfach kein Gegner aus Württemberg zur Verfügung stand. Der bahnbrechende Erfolg über Württemberg hinaus gelingt in der Saison 1907/08 mit dem Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft und der Teilnahme an den Spielen um den Deutschen Titel. Im ersten Ausscheidungsspiel wird der Freiburger FC mit 5:1 deutlich besiegt. Im Halbfinale besiegen die Cickers den haushohen Favoriten, den Duisburger Spielverein, ebenfalls mit 5:1. Im Endspiel in Berlin gegen den amtierenden Deutschen Vizemeister Viktoria Berlin setzt es eine klare 1:3 Niederlage. Neben der Endspielteilnahme beschert diese Saison aber einen damals als sensationell empfundenen Erfolg besonderer Art: Seine Königliche Hoheit, Herzog Ulrich von Württemberg, übernimmt die Schirmherrschaft über die Kickers und bekundet auch später durch Teilnahme an allen großen Veranstaltungen des Vereins sein Interesse. Damit rücken die Kickers auch in gesellschaftlicher Hinsicht in die vordere Reihe der Stuttgarter Vereine. Am 06. August 1913 wird die Hockeyabteilung der Kickers gegründet. Im Jahr 1914 werden die Kickers zum zweiten Mal Süddeutscher Meister.

Auch der Verein selbst entwickelt sich weiter. 1919 führen die Kickers eine Unfallvorsorge für Vereinsmitglieder ein, ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und werden damit Vorbild für eine Reihe auswärtiger Vereine. 1920 wird der Fußballclub Stuttgarter Kickers in den Sportverein Stuttgarter Kickers umbenannt, um die universelle sportliche Betätigung des Vereins zum Ausdruck zu bringen. Die Mitgliederzahlen der Blauen entwickeln sich prächtig. Von 26 Mitglieder im Jahre 1899 erhöht sich die Zahl bis 1924 auf 2010 Mitglieder.

Fortsetzung: Fußball im Schatten der Nationalsozialisten


Bild vom Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1908